„Das Thema ist relevant“ – und warum es trotzdem nicht vorangeht

In den letzten Wochen habe ich viele Gespräche mit Bibliotheken geführt.

Die Themen, mit denen ich mich in meiner Arbeit beschäftige – Strategieentwicklung und -umsetzung, Konzeption digitaler Dienste, Personalentwicklung, KI-Einsatz oder auch Systemwechsel – sind dabei durchweg präsent und werden als relevant eingeschätzt.

Und trotzdem kommt vieles nicht ins Laufen.

Statt klarer Projektstarts höre ich immer wieder Sätze wie:

  • „Wir sind gerade dabei, das neu zu ordnen.“
  • „Das Thema ist relevant, aber wir haben im Moment keine Kraft dafür.“
  • „Wir mussten neu priorisieren.“
  • „Wir warten noch auf Aussagen der Verwaltung.“
  • „Wir müssen erst das Ausschreibungsverfahren klären.“

Diese Sätze stehen nicht für Desinteresse. Im Gegenteil. Sie zeigen, dass die Themen gesehen werden – aber in einem Umfeld, in dem vieles gleichzeitig passiert und nicht alles sofort entschieden werden kann. Was ich dabei beobachte: Es fehlt selten an Ideen. Und auch nicht an einem Verständnis dafür, was zu tun wäre.

Die Herausforderung ist eine andere, nämlich eine realistische Einordnung dessen, was unter den gegebenen Bedingungen überhaupt machbar ist. Ein Blick von außen kann dabei helfen, die vorhandenen Spielräume klarer zu sehen.

Viele Einrichtungen stehen vor der Situation, dass mehrere Themen parallel drängen – KI, digitale Angebote, Infrastruktur, organisatorische Fragen. Gleichzeitig sind Zeit und Handlungsspielräume begrenzt. Und nicht alles lässt sich unabhängig entscheiden. Unter diesen Bedingungen wird Priorisierung schwierig. Und genau hier entsteht oft eine Art Stillstand: Nicht, weil nichts passiert – sondern weil nicht klar ist, was jetzt sinnvollerweise zuerst passieren sollte.

Ich habe an anderer Stelle schon darüber geschrieben, wie wichtig es ist, mit Unsicherheit umzugehen und neue Formen der Strategieentwicklung zu finden. Was sich in den letzten Wochen noch einmal deutlicher zeigt:
Diese Fragen sind längst Teil des Arbeitsalltags geworden. In vielen Gesprächen fällt irgendwann das Wort „Strategie“ – oft genau an dem Punkt, an dem klar wird, dass es so nicht weitergeht.

Gemeint ist damit aber oft etwas ganz Konkretes:

  • Was können wir tatsächlich umsetzen?
  • Was lassen wir bewusst erst einmal?
  • Wo lohnt es sich, Energie zu investieren – und wo nicht?

Diese Fragen lassen sich nicht abstrakt beantworten.
Sie entstehen immer aus der konkreten Situation einer Einrichtung.

Und genau deshalb hilft es oft, die Dinge einmal gemeinsam zu sortieren:

  • Themen sichtbar machen
  • Rahmenbedingungen klären
  • Prioritäten festlegen, die auch tragfähig sind

Nicht als großes Konzept, sondern als nächster, arbeitsfähiger Schritt.

Ich bin auf der BiblioCon vor Ort.
Wenn Sie sich in einem dieser Punkte wiederfinden, sprechen Sie mich gern an.

veröffentlicht am 22.04.2026